Dai Rag Weaving | Threads of Memory

Dai Rag Weaving | Fäden der Erinnerung

Als ich in Yunnan aufwuchs und in einer Stadt lebte, die an die Autonome Präfektur Dehong der Dai und Jingpo grenzte, hätte ich als Kind gewebte Spaltgewebe sehen müssen. Sie waren einst ein vertrauter Teil des Alltags – gewebt, getragen und innerhalb lokaler Gemeinschaften wiederverwendet. Und doch habe ich keine klare Erinnerung an sie.

Erst als ich in meinen Dreißigern war und diesem Textil wieder begegnete, fühlte ich mich plötzlich von seiner stillen Stärke angezogen. Bunt, unverwechselbar und nie ganz gleich – jedes Stück trägt seine eigene innere Logik.


Oft wird übersehen, dass diese Webtechnik aus der Notwendigkeit heraus entstand. Das Spaltweben, bekannt als lie zhi, entstand in Zeiten der Materialknappheit. Es ermöglichte, Stoff zu verlängern, zu reparieren und neu zu konfigurieren, anstatt ihn wegzuwerfen. Lange bevor Konzepte wie Nachhaltigkeit oder Kreislaufdesign existierten, verkörperte dieses Textil sie bereits in der Praxis.

Dieses Stück Stoff gelangte stillschweigend in meine Sammlung.

Es ist ein Fragment eines Dai-Spaltgewebes – eine Technik, die nicht auf gedruckten Mustern oder Stickereien basiert, sondern auf der Struktur des Gewebes selbst.

Zuerst wirkt der Stoff zurückhaltend. Seine Farben sind weich, verschmelzen fast ineinander. Doch bei genauerer Betrachtung entfaltet sich eine Komplexität. Muster entstehen durch die Trennung, Neuordnung und Wiederverbindung der Fäden während des Webprozesses.

Es wird nichts nachträglich hinzugefügt. Das Design entsteht direkt am Webstuhl, geformt von Händen, die auf materielle Grenzen reagieren. Unter den Dai war diese Art von Textilien tief in den Alltag integriert.

Es wurde nicht gemacht, um konserviert oder aus der Ferne bewundert zu werden. Es wurde zum Gebrauch hergestellt – zum Tragen, Falten, Waschen, Reparieren und schließlich zum Dünnwerden. Sein Wert lag nicht in der Perfektion, sondern in der Beständigkeit. Schönheit entstand durch Wiederholung, Geduld und Pflege im Laufe der Zeit.

(Foto: Wallpaper)

Was mich an diesem Stück am meisten bewegt, ist seine Zurückhaltung. Die Technik ist anspruchsvoll, sucht aber niemals Aufmerksamkeit. Muster erscheinen und verblassen je nach Licht und Bewegung, als ob der Stoff sich nur denen offenbart, die bereit sind, innezuhalten und zu beobachten.

Heute werden Textilien wie diese selten – nicht weil das Wissen verschwunden ist, sondern weil das moderne Leben wenig Raum für solch zeitintensive Herstellung lässt. Doch aus heutiger Sicht gewinnt das Spaltweben eine neue Relevanz. Was einst aus Armut entstand, korrespondiert heute mit Ideen der Wiederverwendung, Langlebigkeit und bewussten Konsums.

Ich bewahre diesen Stoff nicht als Artefakt auf, sondern als Erinnerung – dass Nachhaltigkeit nicht immer als Wahl beginnt, dass Wiederverwendung ein Akt der Intelligenz statt eines Kompromisses sein kann und dass einige Traditionen ein neues Leben finden, wenn wir lernen, Zeit wieder wertzuschätzen.

Dies ist eines der Objekte, die ich sammle, und eine meiner Begegnungen mit Handwerk, Zeit und der Art und Weise, wie ich lebe.

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